Besinnliches zum Jahresende…
Montag, 21. Dezember 2009 von Julia VollandDie schnell-lebige Zeit
Jeder hört es. Jeder sagt es. Jeder bedauert es: Unsere Zeit ist so schnell-lebig geworden, zu schnell-lebig. Brauchen die Kinder jetzt weniger als neun Monate, bis sie geboren werden? Dreht sich jetzt die Erde schneller? Ist ein Monat kürzer geworden, weil der Mond jetzt hektisch ist? Rennt die Zeit oder rennen wir?
Die Zeit ist nicht schnell-lebiger, und unser Leben ist auch nicht schneller geworden. Wir rennen nur schneller, wollen zu einem Zeitpunkt in zwei Meetings sein. Die Zeit ist nicht hektischer. Wir agieren nur hektischer. Wie ein Jongleur, der aus seinem Rhythmus gekommen ist. Lassen wir uns vielleicht zu leicht aus unserem eigenen Rhythmus bringen und uns fremde Rhythmen aufzwingen? Vielleicht spüren wir unseren eigenen Rhythmus schon gar nicht mehr und nehmen dankbar den fremden an.
” Es ist so bequem, unmündig zu sein.” So erklärt Immanuel Kant das lang andauernde Mittelalter, das erst durch die Aufklärung beendet wurde.
Es ist auch so begehrt, begehrt zu sein. Ich habe keine Zeit, weil ich ach-so-wichtig bin. Jetzt muss ich aber zum nächsten Termin. Ist das eine schnell-lebige Zeit! Ist das eine Hetze! Lebe ich eigentlich? Oder bin ich nur auf der Flucht? Vielleicht fehlt mir der Mut zur Gemütlichkeit und der Sinn für Besinnlichkeit. Vielleicht auch die Kraft zur Entschleunigung.
Da jagt der Mensch nach Zeitgewinn
und muss sich redlich plagen.
doch hat er Zeit, strengt er sich an,
sie wieder totzuschlagen
( Wilhelm Busch)
Ich wünsche eine frohe, besinnliche Weihnachtszeit.
Ihre Julia Volland
Textquelle: Jürgen Fuchs, Das Märchenbuch für Manager, dtv 2009








