Archiv für die Kategorie ‘Trends & Zeitgeschehen’

Die Leiden eines jungen P. – Reframing im Alltag

Montag, 11. Januar 2010 von Carsten Gans

Es war ca. 23 Uhr. Ich saß mit meiner Frau auf unserer Couch – besser: wir lagen bereits reichlich ermüdet vor der Sendung „Nuhr die Wahrheit“. Nach einem Blitz-Nickerchen und mit dem letzten Funken Wachheit, der noch vorhanden war, sagte ich ergebend, dass ich es nicht bis zum Schluss schaffen würde und nach oben möchte. In bewährter Schnelligkeit schloss sich die beste Ehefrau von allen (bEva) meiner Meinung an und drückte den roten Knopf auf der Umschalte (benannt nach dem Hauptnutzen des Gerätes). Kurz vor dem Erreichen des Gipfels und geschätzte 2 Minuten vor der REM-Phase dachte ich noch „das war’s jetzt endlich – nur noch schnell ins Bett schleichen.“ – Doch erstens … kommt es anders:

Als ich um die Ecke zur Tür gehe, um mich in das Einzugsgebiet meines Bettes zu begeben, steht dort schluchzend ein kleiner Mensch mit langen Haaren in einem rosa Schlafanzug: „Ich kann nicht einschlafen.“ – Ein Satz, den ich auch im Tiefschlaf noch deuten könnte. – „Na prima!“ dachte ich offensichtlich hörbar, da sich meine Frau so gleich des rosa Schalfanzuges annahm und mit einer Platzreservierung im elterlichen Ehebett beruhigte. Nur einen kleinen Schritt weiter, noch vor dem Eintritt in das scheinbar rettende Badezimmer vernahm ich von rechts aus einem kleinen mit einer STRAX-Bahn gepflasterten Zimmer ein leises Wimmern, das ich sogleich blitzschnell mit einem mittellangen nachdrücklichen „schschschschschschttt!“ zu beenden versuchte.

Da auch eine schnelle Wiederholung erfolglos blieb, machte ich das Licht an, um nach dem rechten zu sehen, das sich nach einer wohlwollenden Handbewegung entlang eines noch kleineren hellblauen Schlafanzuges als etwas Uriniertes herausstellte. Ich schickte den laufenden Meter zu bEva ins Bad und begann, das kleine Bett für die Fortsetzung des 3-Jährigen-Schlafes neu zu beziehen. Fast fertig vernahm ich die zweite Platzreservierung aus dem nur wenige Schritte entfernten Badezimmer. Nachdem ich bEva wortlos einen dunkelblauen Schlafanzug in Größe 98 zugeworfen hatte, erhielt ich die Bestätigung der Überbuchung: „Schlaf im Bett von A., ich wecke dich morgen früh!“ Da mein Widerstand gebrochen war, wickelte ich mich zügig in braune Baumwolle als mir wie ein Strohfeuer die Frage ins Gehirn schoss „Warum spricht dieses Jahr eigentlich keiner von Murphys Gesetz?“ – Da ich kein Holz mehr zum nachlegen hatte, hatte das Strohfeuer keine Chance und ich begab mich mit meinem Kissen bewaffnet am überbuchten Ehebett vorbei in das Prinzessinen-Zimmer des Hauses.

Endlich, unter einem mit Schmetterlingen besäumten Himmelbett-Schleier angekommen, kuschelte ich mich in die rosafarbene Feen-Decke meiner Tochter und dachte noch kurz: “Rosa ist eine schöne Farbe, vor allem schön warm!

Gute Nacht, mit müden Grüßen, Carsten Gans.

Früher war die Zukunft auch besser

Montag, 09. März 2009 von Carsten Gans

…Viele würden in aktuell kriselnden Zeiten wie diesen wohl vorbehaltlos Karl Valentin zustimmen, von dem das Zitat stammt. Aber war die Zukunft früher tatsächlich besser, was war in der alten Gegenwart besser? Und wie sieht überhaupt unsere Zukunft aus? - Von Unterhosen, Zeitmessern und Freiheitsentzug durch Mobilität.

Ich denke es lohnt sich, einen genaueren Blick auf zwei Themen zu werfen, die immer enger miteinander verknüpft sind: Komfortzone und Zeit.

Wie war das früher mit der Zeit? - Rein statistisch gesehen, hatten die Menschen bis vor einigen Hundert Jahren weniger als die Hälfte der Lebenszeit zur Verfügung - von ca. 30 Jahren um 1500 bis heute ca. 80 Jahre. Während der Industriellen Revolution erhöhte sich die Lebenserwartung enorm, unter anderem wesentlich durch die Erfindung des Webstuhls. Erst dieser ermöglichte die weite Verbreitung von Stoffen, die dazu geeignet waren, hygienische Unterhosen herzustellen, die man im Intimbereich auf der Haut tragen und vor allem auch waschen konnte. Die Lebenszeit teilte sich wiederum zu etwa je einem Drittel auf in lebensnotwendige Zeit (Schlafen, Essen usw.), Arbeitszeit und Freizeit. Heute haben wir mit ca. 50% mehr Freizeit als je zuvor. Bei gleichbleibendem Anteil der lebensnotwendigen Zeit bei einem Drittel, müssen wir nur noch etwa 20% unserer Zeit arbeiten. Soweit zur Statistik - da die meisten unserer Vorfahren als Christen aber an eine Auferstehung und das ewige Leben glaubten, kehrt sich die Entwicklung für die große Mehrheit von “Ungläubigen” subjektiv um - das Leben ist so für viele unendlich kürzer geworden. Doch bleiben wir zunächst bei objektiven Maßstäben. Die mechanische Messung der Zeit beginnt flächendeckend Ende des 13. Jahrhunderts mit der Verbreitung von Räderuhren. Bis dahin waren Zeichen der Zeit unter anderem “der erste Hahnenschrei” und “der Einbruch der Dämmerung”. Die Zeitmessung durch Uhren gewann immer mehr an Bedeutung für die Organisation des menschlichen Lebens. In der Rechtsprechung galt bald der Grundsatz “Freiheitsentzug ist der Entzug von freier Zeit.”

Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts haben etwa 60% der Deutschen die Vorsätze “weniger Stress” und “mehr Zeit für Familie, Freunde und sich selbst”. - Subjektiv empfinden also 60% der Deutschen, dass sie zu wenig freie Zeit haben. Objektiv betrachtet haben diese Menschen mehr als genug davon. - Was stimmt hier nicht? Anscheinend geht es nicht um das “Wieviel” sondern um das “Wie” - wie nutzen wir unsere freie Zeit? Eine Mehrheit in unserem schönen Land offensichtlich auf eine Art und Weise, dass die eigentlich freie Zeit als stressig und fremdgesteuert wahrgenommen wird. Einige neigen wohl auch dazu, einen großen Teil ihrer Zeit totzuschlagen, die dann natürlich auch nicht mehr zur Verfügung steht.

Ein einflussreiche Rolle bei dieser Art der Zeit-Gestaltung spielt vermutlich die fast ständige Erreichbarkeit und somit auch Verfügbarkeit per Handy. - Die effiziente Technik macht es möglich, zugleich unterwegs und erreichbar zu sein. - Ein Zustand, den es vor etwa 30 Jahren noch nicht gab. Ich denke, es lohnt sich, uns bewusst zu machen, dass dies ein zumindest ungewöhnlicher, vielleicht sogar unnatürlicher Zustand ist. Warum? Schon Heissenberg hat in seiner Unschärferelation erkannt:

  • Es ist nicht möglich, die Position und den Impuls eines Quantenobjektes gleichzeitig exakt zu messen.
  • Die Messung der Position eines Quantenobjektes ist zwangsläufig mit einer Störung seines Impulses verbunden, und umgekehrt.

Wenn also der Mensch X von A nach B unterwegs ist, kennen wir den Impuls von X, als Arbeitgeber von X sogar seine Motivation der Reise. Über sein Moblilfunk-Netz kennen wir darüber hinaus fast jederzeit seine aktuelle Position. - Nach Heissenberg ist es bereits zwangsläufig mit einer Störung von Impuls oder Position verbunden, wenn wir nur eines davon messen (siehe 2. Satz). Nun ist es uns sogar technisch möglich, beides gleichzeitig zu messen, was der Physiker gar nicht ‘vorgesehen’ hat.

Welch große Störung das verursachen kann, hat das deutsche Literatur-Genie Daniel Kehlmann (bekannt für seinen Bestseller “Die Vermessung der Welt”) im großen FAZ-Interview am 27.12.08 wie folgt umschrieben: “Man ist selbst ständig woanders, und zugleich führt man zu jedem Zeitpunkt ein Dutzend Konversationen mit Leuten, die über die halbe Welt verteilt sind. Das sind alles keine oberflächlichen Veränderungen. Was wir da mitmachen, ist eine große seelische Umwälzung.”…”Ich befürchte immer mehr, dass … wir tatsächlich eine Entwicklung erleben, die keinen Ausweg hat - oder wenn, dann nur einen Ausweg, den wir nicht wollen können, nämlich einen Totalzusammenbruch des Systems, eine ungeheure Katastrophe oder einen Weltkrieg.”… “Die Maschen des Netzes werden immer enger. Wenn es überhaupt einen Ausweg gibt, dann wird dieser nur Einzelnen offenstehen - als Luxus für reiche Erben.”

Die nicht ständige Erreichbarkeit als Luxus! - Freiheitsentzug durch Mobilität? Sind wir uns dessen wirklich bewusst? Probieren Sie es doch einmal aus. Verstecken Sie Ihr Handy irgendwo zu Hause in einer Kiste, ausgeschaltet selbstverständlich und rühren Sie es zwei Tage lang nicht an; und lassen Sie zwei Tage lang auch Ihren Laptop und Ihren PC aus. Wie fühlt sich das an? Haben Sie Entzugserscheinungen, haben Sie Kopfschmerzen oder können Sie schlecht schlafen? - Dann empfehle ich Ihnen zwei Heilmethoden aus der Volksmedizin, welche im Spessart noch im Jahre 1869 angewendet wurden: “Kopfschmerzen zu tilgen, trage man die Klauen einer Ziege auf bloßem Leibe oder binde sich die Sehnen desselben Tieres an Hände und Füße. Beides stillt die Schmerzen des Krampfes.” Und: “Nimm zwei Hasenohren, lege sie einem, der nicht schlafen kann, unter das Kissen.” - Wenn das nicht hilft, machen Sie doch bewusst, dass Sie nicht ständig jemanden brauchen, der Ihnen sagt, was Sie tun sollen, was er für Sie tun kann oder dass man Sie mag. “Jeder ist sich selbst am nächsten” könnte eine positive Bedeutung bekommen.

Mit besten Grüßen, Carsten Gans.

Mit Coaching durch die Krise?

Freitag, 28. November 2008 von Carsten Gans

Nach einer Umfrage der internationalen Personalberatung LAB Lachner Aden Beyer & Company in Kooperation mit der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ unter Führungskräften der ersten und zweiten Hierarchieebene halten 95% von 407 Teilnehmern Coachings für sinnvoll. Davon haben allerdings bisher nur 55% Erfahrungen mit Coachings gemacht, 31% planen im nächsten Jahr, die Unterstützung durch einen Coach zu suchen.

Warum haben dann so viele das sinnvolle Coaching noch nicht genutzt? Die Antwort der Befragten: die Manager kennen keine passenden Angebote oder haben keine Zeit.

Sind das Ausreden oder zeigt es einfach nur, dass Top-Manager wider besseren Wissens oder Gefühls nicht das tun, was sie für sinnvoll halten? – So oder so – bedenklich.

Mit besten Grüßen, Carsten Gans.

Selbst-Coaching oder die Kunst, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen - Erkenntnisse aus der Finanzkrise - philosophisch und konkret

Donnerstag, 13. November 2008 von Carsten Gans

Was ist es eigentlich, was mich dazu motiviert, jeden Tag eine überregionale Zeitung aus Frankfurt zu lesen – welchen Nutzen habe ich davon, welches sind meine Motive, die mich dazu bewegen? Ich komme gleich zum wichtigsten: Es ist der Versuch, Muster zu erkennen, die den eigenen Lebensentwurf bestätigen, diesen erweitern oder womöglich ändern. – Eine Art Feinjustierung für eigene Grundsätze, Werte und daraus resultierendes Handeln.

Heute war es wiedereinmal soweit. Im Blättchen – Feuilleton – der FAZ hat Nassim Nicholas Taleb, Autor des Buches „Der schwarze Schwan“ und Chef einer Investment-Firma in den USA, in einem Interview seine Ansichten und Erklärungen für die aktuelle Finanzkrise veranschaulicht, nachdem er bereits 2002 einen Zusammenbruch der Finanzsysteme vorhergesehen hatte. Als Gründe, die dazu führten, sieht er unter anderem die Täuschung unseres Wissens und übermäßiges Selbstvertrauen. - Wie kommt er dazu?

Taleb hat als Richtlinie für sein privates und berufliches Handeln, so robust wie möglich zu sein. Wesentliche Schritte, das zu erreichen, sind:

-         Die Erkenntnis, dass wir die Welt, in der wir leben, nicht verstehen können. Wir haben keine Ahnung, wie mit dem Wissen umzugehen ist, und wir überschätzen uns dabei.

-         Als Konsequenz daraus, sollten wir für uns unbegreifliche Systeme nicht oder nur in Notfällen antasten.

Er sagt: „Wir sollten uns so genauso verhalten, wie unsere Vorfahren es getan haben“. Diese zunächst sehr fortschrittsfeindliche mit Sicherheit unpopuläre Satz scheint mir eine von mehreren guten Richtungsangaben zu sein.

Dazu passt auch folgender Satz: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ – einer von vielen Annahmen, die bereits seit vielen Jahren überliefert werden. – Wenn eine Annahme oder eine Regel sich solange halten kann, sollte man annehmen, dass darin ziemlich viel Wahrheit oder Weisheit steckt. Heutzutage gibt es eine unüberschaubare Vielfalt an Angeboten und scheinbarem Wissen. Zu erkennen, was davon hilfreich für uns persönlich ist und was davon wahr ist und somit als Richtlinie für das eigenen Handeln dienen kann, scheint immer schwieriger, gar unmöglich zu werden. Deshalb sollten wir dankbar sein für solche Sätze, die ein wenig Ordnung in das Chaos bringen.

Taleb ergänzt: Da unsere Welt geprägt ist von unvollständiger Information, werden wir häufig überrascht – scheinbar Zufälliges zumindest Unvorhergesehenes passiert. Das wird verständlich, wenn wir den Zeitpunkt betrachten, an dem z.B. ein Rind geschlachtet wird. Für das Rind, das über kein Wissen verfügt, ist der Tag der Tage völlig überraschend und scheinbar zufällig, für den Schlachter jedoch geplant. – Diese Zufälle teilt Taleb ein in mediokristane und extremistane. Mediokristane Zufälle sind ungefährlich, da sie keine große Auswirkung haben, während bei extremistanen Ereignissen große Risiken eingegangen werden, weil man in großer Unsicherheit handelt. Dadurch besteht die Gefahr von extremen Auswirkungen. Sein Beispiel: Du kannst über Nacht dein gesamtes Vermögen verlieren aber nicht dein gesamtes Körpergewicht.

Dazu erkenne ich beim Lesen einen weiteren selbst gepflegten Grundsatz, der in Kombination mit den vorigen ein hilfreiches Muster schärfer werden lässt:

„Keine Extreme auf Dauer“. Wenn einmal extrem, dann nur so, dass dadurch wirklich etwas verändert werden kann. Machen wir es wie unsere Natur seit Millionen von Jahren. Keine Extreme, nur von Zeit zu Zeit eine Sintflut, die reinigt und durch neue Meere für neue Lebensräume sorgt. Oder in kürzeren Zeitabschnitten gedacht: Ein Sturm oder Orkan alle paar Jahre sorgt dafür, dass die alten morschen Bäume Platz machen für die jungen, bei mehr Licht und reichlich Humus für das Wachstum. – Um bei der Wald-Metapher zu bleiben: Nachhaltigkeit im Umgang mit den Ressourcen: Nur soviel rausnehmen, wie in der gleichen Zeit im gleichen System neu entstehen kann. Und wenn ich das alleine nicht überblicken kann, lasse ich es einfach oder hole mir Hilfe für den Überblick. Für die eigene Entwicklung ist es hilfreich, von Zeit zu Zeit an die eigene Komfortgrenze reisen, um ein neues Land zu entdecken um dabei die eigene Komfortzone zu erweitern.

Das ist zu einfach? – Einstein soll gesagt haben: „Alles sollte so einfach wie möglich gemacht sein, aber nicht einfacher.“ – Zu einfach wäre es, statt eigene Muster zu entwerfen, einfach die von anderen unreflektiert zu übernehmen, im schlimmsten Fall die von amerikanischen Bankern. – Thomas Jefferson hat als 3. Präsident der USA vor über 200 Jahren bereits gesagt: „Banken sind gefährlicher als stehende Armeen“. – Da scheint etwas dran zu sein.

Wie sehen Sie die Dinge?

Mit besten Grüßen,

Carsten Gans.

Die Führungskraft neuen Typs

Mittwoch, 29. Oktober 2008 von Waltraud Wagner

Das wahre Ziel einer Führungspersönlichkeit neuen Typs besteht darin, den Bedürfnissen anderer zu dienen - besonders denen der Mitarbeiter. Daher ist es die wichtigste Aufgabe der Führungskraft, als Quelle von Inspiration, persönlicher Entwicklung, Unterstützung und Orientierung ihrer wichtigsten Kunden zu handeln - und diese Kunden sind die Mitarbeiter. Sonst wäre die Führungskraft überflüssig - denn über die Arbeit selbst, über Ziele, Technologien, erwünschte Ergebnisse und professionelles Können wissen die meisten Mitarbeiter mehr als ihre Vorgesetzten. Ihre Mitarbeiter oder Teammitglieder sind die Kunden der Führungskräfte neuen Typs, und die Führungskräfte neuen Typs streben danach, dass sie den äußeren und inneren Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter entsprechen oder sie noch übertreffen. Die Führungspersönlichkeit neuen Typs betrachtet Führung als dienende Rolle. Sie sagt: “Ich bin ihr Vorgesetzter. Was kann ich für sie tun?”

aus “Ispirieren statt motivieren” - Lance Secretan

Lehrer auf der Anklagebank

Sonntag, 26. Oktober 2008 von Rolf Söder

In der aktuellen Ausgabe des “Stern” wird trendgerecht die Forderung gestellt: “Neue Lehrer braucht das Land!”

Ich habe selbst zwei Söhne, die immer wieder “Geschichten” über das Verhalten von Lehrern erzählen.  Kommende Woche steht ein Termin an, dem ich das erste Mal mit dem Gefühl “Der kriegt ne volle Breitsseite!” entgegen gehe. Gerade frage ich mich, was an der ganze Debatte dran ist.

Umfragen beschreiben ein Szenario, dass mich erschaudern lässt:

Lehrer werden etwa 80% der Studenten, weil sie viel Freizeit und Jobsicherheit haben werden. Okay, das sind stichhaltige Argumente, aber das reicht offensichtlich nicht, um einen guten Job zu machen! Ansonsten würden nicht so viele mit psychischen Problemen zu tun haben.

Ich frage mich auf der anderne Seite auch, was die Gründe sind, das sich so wenig Lehrer aufmachen, und versuchen an sich zu arbeiten.

Nach einigen ehrenamtlichen Trainings mit Referendaren ist es mir ein Rätsel, wie man mit mit Mitte 20 glauben kann, Sicherheit im Stoff ist das allein selig machende? Die Liebe zum Fach, ob es nun Latein oder Mathe oder Biologie ist, ist wichtig.

Ohne die Liebe zu Kindern und Schülern nützt das meiner Erfahrung nach gar nichts.

Ich frage mich auch, weshalb  wenige Lehrer sich persönlich weiterbilden. Oder sind das gar nicht so wenige? Kennt jemand Statistiken, die man zitieren könnte?  Am Geld und an der Freizeit kann es doch nicht liegen, oder?

Und für alle Deutschlehrer gleich vorab: Ja, meine Interpunktion und mein Satzbau sind eher emotional als regelgerecht!

Also wer diskutiert mit?

Internationaler Kongress „Erleben und Lernen“ an der Uni Augsburg – Erlebnispädagogik und Co.

Dienstag, 30. September 2008 von Carsten Gans

Am letzten Freitag und Samstag fand in Augsburg das jährliche Treffen der Branche rund um Erlebnis-Pädagogik, Outdoor-Training und Co. statt. Da ich das Vergnügen hatte, selbst auch einen Workshop zu gestalten und zu moderieren, hatte ich die Gelegenheit, das ganze Spektakel aus mehreren Perspektiven zu betrachten.

Das Kongressthema lautete „Menschen stärken für globale Verantwortung“. Am ersten von zwei Kongresstagen hatte ich für meinen Workshop „Draußen vor der Tür – Outdoor-Training und Co.“ beschlossen, den in meinen Augen etwas zu akademisch und deutlich zu global formulierten Titel des Kongresses umzuwandeln in „Möglichkeiten für die Unterstützung von Menschen auf dem Weg zu einer in sich federnden Persönlichkeit“. Nach etwas wissenschaftlichem Input zu Sinneswahrnehmung und Emotionale Intelligenz und einigen Übungen zum Schärfen der Sinne, lag der Fokus auf dem Erarbeiten von Aspekten einer idealen Lernumgebung. Die Ergebnisse zweier Arbeitsgruppen ergaben folgendes Bild: Eine ideale Lernumgebung sollte folgendes beinhalten/ ermöglichen: Bewegung, raus gehen (aus einer Situation und in die Natur), Einfachheit (auch einfach machen), Perspektivenwechsel (etwas alleine und zusammen machen), sicherer Rahmen (Grundbedürfnisse sollten gedeckt sein), Vertrauen, Freude. 

Nach dem Workshop durfte ich den Ausführungen eines pensionierten Offiziers lauschen, der unter dem für mich zunächst sehr spannenden Thema „Erlebnispädagogik im Wald“ vor allem deutlich Survival-lastig von den Möglichkeiten von „Waldcamps“ sprach. Vor allem als er mit Nachdruck über seinen Kampf gegen die Ämter sprach mit dem Hinweis, dass er das alles vor allem auch für die anwesenden Zuhörer tat, wurde deutlich, dass seine Zeit der Sozialisierung deutlich länger als die meine gedauert hatte. Ein „alter“ Pfadfinder bemängelte etwas später beim Betrachten von „Aktionskisten“ ,aus meiner Sicht zurecht, dass Militär-Artikel wie z.B. ein „Military Survival Kit“ weniger geeignet sind, um Kindern die Natur näher zu bringen. Die vorher getätigte Aussage des Referenten, man könne mit Hilfe der selbstredenden Orientierungs-Kiste innerhalb von einer halben Stunde das Orientieren mit Karte, Kompass und anderen Hilfsmitteln beherrschen (gerade beim Militär unterscheidet man deutlich zwischen Kennen, Können und Beherrschen), fand ich bereits bei der Aussprache sehr dreist, was sich nach Ansicht der Orientierungskiste nicht wirklich geändert hat. Da ging mit ihm die Selbstbegeisterung wohl etwas durch.

Anschließend war reichlich Zeit, um sich die dünn gesäten Stände der ausstellenden Wettbewerber und die Aktionen auf dem Vorplatz anzusehen. Einer der Aussteller meinte später, dass es sich nicht wirklich gelohnt hätte – sprich das Geld hätte sparen können. Einige etablierte aus der Branche haben das wohl schon früher erkannt und hatten deshalb keinen Stand, wie z.B. KAP Outdoor. Die gepolsterten 50er-Jahre-Möbel auf der Wiese vor den Gebäuden, die Kettcars für Erwachsene und die sehr innovativen Möglichkeiten, mit ferngesteuerten Autos seinen Spaß zu haben, festigten bereits zu meiner Halbzeit zwei Eindrücke, die für meine Sachen als hilfreiche Negativ-Beispiele dienen dürfen:

Erstens zuviel Survival, das mit dem Wesentlichen – der Entwicklung persönlicher Werte und Kompetenzen – wenig zu tun hat. Was bringt es meinen Teilnehmern, wenn sie wissen, wie man mit fast nichts Feuer macht oder wenn sie aus Birkenrinde ein Brot backen können? Zweitens viel zu viel Tools und Spielzeuge, die sicherlich Kindern viel Spaß bereiten, aber für Erwachsene ungeeignet sind, um ernsthaft an Dingen zu arbeiten. Ich denke letzteres ist wohl vor allem der Erlebnispädagogik an und für sich zu verdanken. Viele Anbieter kommen einfach nicht von der Pädagogik weg, die sich ja ursprünglich und aus dem Griechischen kommend mit der Erziehung/ Bildung von Knaben/ Kindern beschäftigt hat. – Erlebnis ja, aber bitte nicht kindgemäß, sondern Erwachsenengemäß.

Ach ja damit war noch nicht Schluss. Als Höhepunkt des Tages kam Frau Vera F. Birkenbihl auf einem zierlichen Cityroller in den großen Saal der Juristerei eingefahren, um über die Bedeutung der Erfindung der Brille und des Wasserrades, den Bloom-Test und andere hilfreiche Dinge für uns als Lehrer, Outdoor-Trainer, Männer oder Frauen zu sprechen. Was Frau Birkenbihl bereits seit mehreren Jahrzehnten auf unterhaltsame Weise zu sagen hat, kann man z.B. auf Ihrer Seite nachlesen und auch hören: http://www.birkenbihl-insider.de/ .

Mein Gesamt-Resumee: das nächste Mal werde ich gerne wieder hingehen, dann aber etwas länger und nicht als Referent, damit ich mir auch einen Eindruck von den Angeboten machen kann, die eher in meine Richtung gehen.

Was haben Sie aus dem Kongress gelernt oder mitgenommen?

DGFP-Messe Personal und Weiterbildung in Wiesbaden

Montag, 01. September 2008 von Carsten Gans

Anfang Juni war es wieder so weit. Die DGFP lud wieder in die Rhein-Main-Hallen nach Wiesbaden, um sich über Dienstleistungen und Produkte der Branche zu informieren. Gemeinsam mit einer Partnerin des COACHING WERKs lies ich mir das auch dieses Jahr nicht entgehen. - Auf dem Anzug mit Pfeil und Bogen bewaffnet, haben wir als mobiler Stand für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt. Die Großen der Branche haben für ihre teilweise sehr einfallslosen Riesenstände 5-stellige Summen ausgegeben, um von den Messebesuchern vor allem nach Geschenken/ Mitgibseln befragt zu werden, wenn es nicht gerade offensichtlich leckeres Eis von einem italienischen Schlitzohr gab, der das Eis beim Überreichen mehrmals trickreich fast fallen ließ.

Ansonsten viel Gähnen. Erstens, weil es nicht nur nach unserer Einschätzung deutlich weniger Besucher gab als im letzten Jahr und zweitens, weil das wohl auch daran lag, dass man in erschreckend schlechten Vorträgen (etwa 4 von 5) meist nur etwas über eine Softwarelösung erfuhr statt über die gemäß Vortragstitel angekündigten “neuen Trends”. Nach dem Motto “hast Du Software - hast Du gute Personalarbeit!”.

Ich denke, dass die DGFP viel tun muss, damit die Messe für die Aussteller weiterhin attraktiv bleibt und im nächsten Jahr nicht weiter den Bach runtergeht.

Mit neugierigen Grüßen, Ihr Carsten Gans.

Lebewesen des Jahres

Montag, 01. September 2008 von Carsten Gans

Baum des Jahres 2008 - die Walnuss

Seit 20 Jahren gibt es ihn nun schon – den Baum des Jahres. Freilich ist es jedes Jahr ein anderer. Nach der Waldkiefer im letzten Jahr steht dieses Jahr die Walnuss im Mittelpunkt. Als Schirmherren für die Walnuss wurde ein bekannter Name gewonnen, der sich seit vielen Jahren für den Natur- und Umweltschutz einsetzt: Prof. Dr. Günther Fielmann, der Gründer und Vorstandsvorsitzende der gleichnamigen Fielmann AG. Für jeden Mitarbeiter pflanzt er jedes Jahr einen Baum. Mittlerweile sind auf diese Weise mehr als 800.000 Bäume und Sträucher angewachsen. – Wer hätte das gedacht. Der Walnussbaum ist mit seiner silber-grauen Rinde schön anzusehen, spendet Schatten von Mai bis in den frühen Herbst – also ideal für den Garten – und versorgt seinen Besitzer über seine Walnüsse mit reichlich Fett (ca. 60%), Eiweiß (20%), Vitaminen B1, C und etwas B2, A und E sowie mit vielen Mineralstoffen. Seine Inhaltsstoffe gelten als blutreinigend, nervenstärkend, schweißregulierend, Leistung steigernd und Konzentration fördernd. – Also ein schöner und nützlicher Baum, immer noch sehr beliebt als „Hausbaum“. Dass Nussbäume höchstens ca. 150 Jahre alt werden, erklärt, dass ein ebensolch mächtiger Baum während meiner Kindheit im Hof meiner Großeltern fallen musste – damals für mich völlig unverständlich und ein Anlass für stille Trauer an einem schönen Sommertag.

Und hier noch ein wichtiger Hinweis für alle, die scheinbar unlösbare Schwierigkeiten mit ihren Partnern, Arbeitskollegen oder Vorgesetzten haben… Die Giftpflanze des Jahres ist die Herkulesstaude. – Allzu hoffnungsfrohe Choleriker muss ich aber gleich wieder enttäuschen – die Staude hat keine lebensbedrohliche Wirkung. Allerdings führt bereits leichter Hautkontakt mit der Pflanze in Kombination mit nachfolgender Sonneneinstrahlung zu schweren Hautschädigungen. – Also Vorsicht, wenn Sie ihr begegnen, denn das Gegenmittel des Jahres wurde noch nicht gekürt.

Wir bleiben gleich beim Thema - Arzneipflanze des Jahres 2008 ist die Rosskastanie. Sie kann gegen Beschwerden bei chronischen Venenleiden eingesetzt werden - wie aus der Werbung bekannt. Als Baum hat die Rosskastanie eine lange Geschichte als Arznei- und Nutzpflanze, was auch dazu führte, dass sie bereits im Jahr 2004 zum Baum des Jahres 2005 ernannt wurde.

Heilpflanze des Jahres ist der Lavendel  . Er sind nicht nur gut aus und duftet sehr schön – und das nicht nur in der Provence. Er hat kann mit seiner beruhigenden und entspannenden Wirkung in Form von ätherischem Öl, als Badezusatz, im Kräuterkissen, als Tinktur oder Tee, aber auch als aromatisches Würzkraut nach den alltäglichen Belastungen zum wohltuenden Genuss werden. – Vielleicht hat er auch noch das Zeug dazu, in ein paar Jahren zur Arzneipflanze des Jahres aufzusteigen.  

Und welche Pflanzen noch gekürt wurden:

Gemüse des Jahres ist der Gartensalat – kein Witz!

Orchidee des Jahres ist das Übersehene Knabenkraut.

Pilz des Jahres ist der Bronze-Röhrling, den es bei uns nur ganz selten gibt.

Staude des Jahres ist die Sonnenbraut (Helenium).

Streuobstsorte des Jahres ist die Spanisch Braune – übrigens ein Kirsche!

Tier des Jahres in Deutschland ist der Wisent oder auch europäisches Bison genannt, den man in Osteuropa auch in freier Wildbahn beobachten kann. Tatsächlich ist auch für das kommende Jahr eine Auswilderung in Deutschland geplant, allerdings nicht im Spessart sondern im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen. Wer bis dahin nicht warten möchte, kann Wisente auch bei uns in verschiedenen Tierparks beobachten – zum Beispiel ganz in unserer Nähe im Eulbach-Park im Odenwald, direkt an der B47 (Nibelungenstraße) zwischen Michelstadt und Amorbach.

Doch zum Schluss das wichtigste – der Mensch des Jahres 2008 ist…

nicht bekannt und es findet sich scheinbar außer einer paar regionalen Vereinen und Gemeinden und den gewohnt größenwahnsinnigen amerikanischen Medien keinen Übermotivierten, der sich ernsthaft traut, einen Menschen des Jahres zu küren. Da klingt es schon sehr ambitioniert und auch etwas rührselig, dass nun Singapur seinen glücklichsten Menschen des Jahres küren möchte – aus der Not geboren, da die Singapurianer nach Umfragen zu den unglücklichsten Menschen zählen. Sie fühlten sich zuviel Stress ausgesetzt, unter anderem weil sie sich ständig um ihre Finanzen sorgten - ihre größte Angst sei es, nicht genügend Geld zu haben, um in Würde alt zu werden. Kurz vor der Kür haben sich angeblich noch keine 100 Kandidaten gemeldet – man hätte es ahnen können. Da lobe ich mir doch unseren guten alten Nussbaum – er wird in Würde 150 Jahre alt und meckert nicht, wenn ihn dann die Kettensäge holt. Falls Sie Ihrem Menschen des Jahres über den Weg laufen sollten, so würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir davon erzählen. Ich werde dann gerne im letzten Newsletter des Jahres im Rückblick davon berichten – denn da gehören „Lebewesen“ des Jahres ja wohl hin. 

Mit schönen Grüßen in gutes Jahr, Ihr Carsten Gans.

Willkommen in unserem Coaching Blog!

Freitag, 22. August 2008 von Rolf Söder

Ein herzliches Willkommen in unserem Coaching Blog!

Hier werden die Partner des Coaching Werkes in Zukunft Beiträge rund ums Thema Coaching, Training, Persönlichkeitsentwicklung veröffentlichen.

Besucher haben die Möglichkeit Kommentare zu hinterlassen. Wenn auch Sie gerne zum Thema “Coaching” etwas veröffentlichen wollen, dann melden Sie sich einfach bei uns.

Viele Grüße und auf bald