Hypnose & Trance………….

Es ist eine Weile her, da war ich zur Vorstellung bei einem großen Stromkonzern (mit drei Buchstaben) bezüglich der Aufnahme in den hauseigenen Coaching Pool.

Ich wurde nett empfangen, zwei junge Damen, etwa 25-30 Jahre alt, saßen mir gegenüber. Eine Praktikantin und eine “Leiterin Talent Management”. Nach den gegenseitigen Vorstellungen und dem Austausch der Sichtweisen, wie Coaching funktioniert und was es leisten kann, stellte sich heraus, dass es viel Übereinstimmung bezüglich beider Seiten gab. Prima, dachte ich mir, das wird sicherlich passen.

Dann kam die Frage nach den Methoden, die ich in meiner Arbeit als Coach nutze. Ich zählte also auf: “NLP, TA, TZI, systemisches Fragen, etc und irgendwann erwähnte ich Trance und Hypnose…………….

Das hatte zur Folge, dass meine Gegenüber sichtlich irritiert waren. Zögerlich und sichtlich unsicher begannen Sie zu fragen, wie das wohl so funktioniere mit Hypnose. Ich gab ordentlich Antwort und erklärte so gut ich kann, wie ich Hypnose einsetze und dass es Teil vieler kommunikativer Mittel ist, mit dem Unterbewußten zu arbeiten.

Nach einer Woche bekam ich Bescheid, dass ich zwar in den Pool aufgenommen werde, jedoch im Auftragsfall eine ausschließende Klausel eingefügt werden könnte, die Hypnose untersagt……

Ich frage mich seit dem Besuch, wie kompetent Menschen sind, die darüber befinden, welche Methoden sinnvoll sind, um Mitarbeiter eines Unternehmens mit Coaching weiter zu helfen?

Für mich ist die Konsequenz aus dieser Erfahrung, daß noch viel getan werden muss, damit die Arbeit mit Hypnose und Trance mehr Akzeptanz findet. In den Köpfen der meisten Menschen schwirren da Vorstellungen von Show-Hypnose und Scharlatanerie herum. Was ja auch verständlich ist, wenn man teilweise sieht, wie auf Bühnen Hypnose als Zauberei dargestellt wird. Von Milton Erickson und seiner wundervollen Arbeit wissen die wenigsten.

Wer hat ähnlich Erfahrungen gemacht?

Viele Grüße, Rolf Söder

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9 Antworten zu “Hypnose & Trance………….”

  1. Sascha Pogacar sagt:

    Ich habe schon ähnliche Reaktionen erlebt aber zu einer Ausschlußklausel kam es noch nie.
    Ich habe den Eindruck, dass gerade in den Personalabteilungen noch das allgemeine Bild der “Showhypnose” und Manipulation herrscht und der produktive Einsatz von Hypnotechniken nicht bekannt ist. Du hast recht, da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Hats du jemals einen Auftrag von dem Konzern erhalten?

  2. Rolf Söder sagt:

    Hallo Sascha,

    schön von Dir zu lesen!
    Bisher gibt es zwei Anfragen des Unternehmens, die noch in der Schwebe sind.

    LG, Rolf

  3. Anke Peters sagt:

    Ich mache hier auch die Erfahrung, dass ich mit meinen Äusserungen zu Hypnocoaching vorsichtig sein muss. Die Leute machen sehr schnell dicht, Hypnose ist so in deren Vorstellung der Verlust von Kontrolle. Erst wenn sie sich mehr darauf einlassen und ich dazu komme Trancezustände zu beschreiben, wie sie jeder von uns schon erlebt hat (Autofahren, Zug fahren) wird es besser. Die Skepsis überwiegt.

    Grüße
    Anke

  4. Harald Weber sagt:

    Sehr geehrter Herr Söder,

    für mich stellt sich nicht die Frage nach der Kompetenz der EntscheidungsträgerInnen jenes Unternehmens.
    Mir stellt sich vielmehr die Frage, ob Hypnose tatsächlich zu den Tools des Coachings zählen sollte. Es steht außer Zweifel, dass es mitunter gefährlich sein kann, die Tore des Unbewussten zu öffnen. Als Methode in der Psychotherapie mag Hypnose wirksam sein und auch in einem “sicheren” Rahmen stattfinden. Wir im Coaching sollten davon allerdings die Finger lassen. Deshalb kann ich die Entscheidung des Unternehmens sehr gut nachvollziehen.

    Beste Grüße,
    Harald

  5. Rolf Söder sagt:

    Hallo Herr Weber,

    mir kommt es vor als hätte Sigmund Freud Ihren Kommentar geschrieben. Mittlerweile sind wir fast 100 Jahre weiter und nicht nur durch Milton Erikson, sondern auch durch dei moderne Hirnforschung aufgeklärter. Das Unbewußte ist der Pool in dem die Lösungen schlummern, es ist unser Freund und Helfer und absolut positiv besetzt.
    Ich frage mich, wie Sie als Coach arbeiten, ohne das Unbewußte zu nutzen? Auf Ihrer Homepage beschreiben Sie sich sich als Unternehmens-Berater. Ein UB arbeitet fundamental anders als ein Coach, er generiert selbst Lösungen für seinen Kunden. Das tut ein Coach gerade nicht. Der Coach versucht dem Klienten zu helfen, eigene Lösungen zu entwickeln, und wo, bitte sehr, sollen die denn herkommen, wenn nicht aus dem Unbewußten?

    Viele Grüße nach Österreich
    Rolf Söder

  6. Ulrike Rheinberger sagt:

    Hallo Herr Söder,

    erstmal noch ein Kompliment für Ihren offenherzigen Blog!

    Zum Thema Vorbehalte bei Kunden: ich kann gut damit leben, dass Kunden Ihre eigenen Grenzen setzen, bei dem was sie an Ansätzen und Methoden akzeptabel finden. Es gibt ja immer viele Wege, die nach Rom führen, wenn bei dem einen beim Stichwort Hypnose die Alarmglocken klingeln, so schauderts den anderen bei der Vorstellung Rollenspiele machen zu müssen.
    Und Coaching ist ein riesiges Feld, in dem sich durchaus Scharlatane tummeln, also verständlich dass Kunden nach Abgrenzungskriterien suchen. Und nachvollziehbar, dass auch Personaler, die in der Regel mehr Überblick über das Feld haben als die Coachingnehmer selbst, nicht mit allen Schulen und Diskursen vertraut sein können.
    Noch eine Wortklauberei (in der Annahme, dass sich unsere Ansicht gar nicht grundlegend unterscheidet): ich denke, dass mich als Coach das Unbewusste meiner Kunden weder etwas angeht, noch dass es möglich ist damit zu arbeiten. Es sind eher die vorbewussten - aber bewusstseinfähigen - Inhalte, die mit diversen unterstützenden “Techniken” fokussiert und (auch mit nichtsprachlichen Mitteln) ausgedrückt und integriert werden, und so den Wahrnehmungs- und Handlungsspielraum vergrößern können. Aber mir gefällt es sowieso besser den Begriff “Inhalte des Extensions- oder Erfahrungsgedächtnisses” zu verwenden.
    Aber - was ja das wesentliche ist - Ihnen es gelungen, trotz des einen Vorbehalts Ihres Kunden, soweit Vertrauen aufzubauen, dass die Basis einer Zusammenarbeit gegeben ist.

    Beste Sonntagsgrüße
    Ulrike Rheinberger

  7. Rolf Söder sagt:

    Hallo Frau Rheinberger,

    danke für das Kompliment bezüglich dem Blog. Langsam nimmt er Fahrt auf und es wird diskutiert.

    Mit Ihrem Kommentar gehe ich nicht einher, was die Arbeit mit dem Unbewußten angeht.

    Ihr Zitat: “Ich denke, dass mich als Coach das Unbewusste meiner Kunden weder etwas angeht, noch dass es möglich ist damit zu arbeiten.”

    Wenn Menschen kommunizieren, gibt es unbewußte Prozesse in Wahrnehmung, Deutung und Reaktion. Daher arbeiten Sie/wir permanent auch auf unbewußter Ebene, selbst wenn uns dass nicht oder nur teilweise bewußt ist.

    Vorbewußte Inhalte ist freudsche Terminologie und bezeichnet einen Teilbereich des Unbewußten. Es sind Infos, die schnell zugänglich sind. Das ist sozusagen die erste Stufe auf dem Weg in die Schatzkammer des Unbewußten, sowas wie der Vorraum. Der eigentliche Schatz liegt tiefer. Ich erfahre das auch mehr und mehr in den Coaching-Sequenzen. Je intensiver und schwerer das Thema, desto tiefer ist oft auch die Lösung vergraben.

    Was es braucht ist eine Ausbildung, um mit der Trance-Arbeit vertraut und sicher zu sein. Das gilt auch nicht nur für Hypnose, sondern genauso für alle anderen Methoden, wie NLP, TA, TZI oder Aufstellungsarbeit.

    Viele Grüße
    Rolf Söder

  8. Harald Weber sagt:

    Hallo Herr Söder,

    wie Sie sicherlich auf meiner Homepage ersehen konnten, bin ich zwar Unternehmensberater, habe aber auch eine fundierte Coachingausbildung im systemischen Bereich. Über meinen Zugang zum Coaching können wir gerne diskutieren, allerdings bitte ich Sie, sich vorab ebenfalls unter http://www.webern.at zu informieren. Sie werden sehen, ich gehöre der “alten Schule” an.
    Hypnose ist hier in Österreich gesetzlich geregelt, gehört der Psychotherapie an. Auch in Deutschland gibt es gesetzliche Regelungen. Jedoch darf bei Ihnen ohne die Absicht einer Linderung/Heilung einer Krankheit jedeR eine Hypnose anbieten. Dadurch ergibt sich sicherlich viel Missbrauch. Leider differieren die Inhalte und Umfänge der Ausbildungsstätten ebenfalls in nicht zu vernachlässigendem Ausmaß. Ich wage zu bezweifeln, ob ein adequates Eingehen und Umgehen mit Eventualitäten während und vor allem nach der Hypnose allen Anbietenden möglich ist.
    Psychiatrische Behandlungen, psychosomatische Erkrankungen oder einfach nur “negative, belastende Gefühle” im Alltagsleben müssen von Personen, welche sich von nicht professionell ausgebildeten und erfahrenen Anbietern hypnotisieren ließen, berichtet.
    Dass die Anweisungen während einer Hypnose “Suggestionen” benannt werden, missfällt mir ebenso, da ich - wie Sie sicherlich auch - für die Lösungen meiner Klientel eintrete, nicht für meine eigenen.
    Sie sehen schon, meine Haltung ist recht klar. Gerne aber lasse ich mich von Ihnen eines Besseren belehren. Allerdings bitte ganz bei Bewusstsein.
    Liebe Grüße jedenfalls,

    Harald Weber

  9. Rolf Söder sagt:

    Hallo Herr Weber,

    ich bin in vielen Punkten bei Ihnen.

    Was mich umtreibt ist die Ignoranz und Unwissenheit vieler Menschen, wenn es zu dem Thema kommt. Tance-Zustände haben wir häufig, sei es in der Badewanne, im Zug oder gar beim Autofahren.

    Bei vielen herrscht immer noch der Glaube, dass im Unbewußten “Gefährliches” schlummert, das wenn es an die Oberfläche kommt, Schaden anrichtet. Ich bin da ganz bei Milton Erickson, der das Unbewußte als den Pool/Quell der Lösungen betrachtet und damit ganz erstaunliche Erfolge erzielt hat.

    Trance-Arbeit ist in meiner Welt daher nicht nur etwas für vermeintlich Kranke, sondern ganz besonders für Gesunde, dle Lösungen suchen. Als Coach gehe ich auch davon aus, dass Menschen vollständig sind, also nicht defizitär. Sie tragen die Lösung in sich.

    Viele Grüße
    Rolf Söder

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