Ich möchte Sie bitten, einmal kurz über folgendes nachzudenken: Haben Sie in Ihrem Privatleben oder in Ihrem Beruf Ziele, deren Erreichung am Ende nicht mit mindestens einem Gefühl verbunden sind, zum Beispiel damit, dass Sie zufrieden, anerkannt, respektiert, geliebt oder fröhlich sein möchten? Vielleicht gelingt es Ihnen ebenso wenig wie mir, Ziele zu finden, die nicht gefühlsorientiert wären. Und wenn Sie weiter über die Bedeutung von Emotionen in Ihrem Alltag nachdenken oder nachfühlen, kommen Sie vermutlich zu einem ähnlichen Ergebnis wie ich: Emotionen bestimmen ganz entscheidend unser Denken und Verhalten und stehen sehr häufig am Beginn und am Ende von Prozessen.
Ich wage die Behauptung, dass unsere Emotionen, die unserer Mitmenschen und der Umgang mit ihnen entscheidend sind sowohl für beruflichen Erfolg als auch für privates Glück.
Warum wissen wir dann so wenig über etwas so wichtiges wie unsere Emotionen?
Wussten Sie, dass man 9 verschiedene Auslöser für Emotionen unterscheiden kann (nach Paul Ekman: “Gefühle lesen”, 1. Auflage 2007):
· Automatische Bewertungsmechanismen sind unbewusst ständig auf der Suche nach Reizen und Ereignissen, die emotionalen Erfahrungen ähneln, welche besonders wichtig für uns sind.
· Reflektierte Bewertungsvorgänge unterstützen in mehrdeutigen Situationen, wenn die automatischen Bewertungsmechanismen keine Klarheit schaffen.
· Die Erinnerung an zurückliegende emotionale Erfahrungen.
· Die Fantasie kann ein Gefühl auslösen oder verstärken oder ein bestehendes Gefühl abschwächen.
· Das Sprechen über ein vergangenes emotionales Ereignis kann helfen, dieses wieder zu erleben, um es anschließend neu bewerten zu können.
· Mitgefühl kann in einer Unterhaltung mit einem emotional ergriffenen Menschen entstehen, bei der Lektüre eines Buches oder beim Betrachten eines Bildes oder Kinofilmes.
· Emotionale Lehren anderer, vor allem von Eltern und anderen Bezugspersonen können bewirken, dass wir in bestimmten Situationen so fühlen, wie es uns vorgelebt wurde.
· Verletzung sozialer Normen, die spezifisch für verschiedene Altersgruppen/ Generationen, regionale Gruppen und Kulturen sein können.
· Durch die Simulation des äußeren Erscheinungsbildes/ Physiologie eines Gefühls - beispielsweise von Freude durch bewusstes Lachen.
Emotionen und Stimmungen
Emotionen dauern meist nur wenige Sekunden oder Minuten. Stimmungen, die einem abgeschwächten aber andauernden emotionalen Zustand ähneln, können einen ganzen Tag, manchmal zwei Tage anhalten. Sie begünstigen Emotionen, die zur Stimmung passen. In einer gereizten Stimmung, ist es einfacher, verärgert oder zornig zu werden und fröhlich gestimmt ist es leichter, große Freude zu empfinden. Während man als emotional intelligenter Mensch den oder die Auslöser einer Emotion häufig nachvollziehen kann, ist es wesentlich schwieriger, die Ursache einer (schlechten) Stimmung zu erkennen.
Welchen Nutzen hat es, wenn ich mich im Business emotional kompetent verhalte?
Emotional intelligent bedeutet, sowohl seine eigenen Emotionen richtig wahrnehmen (1) und diese steuern zu können (2), als auch die Gefühle und Stimmungen seiner Geschäftspartner, Kunden, Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeiter richtig zu erkennen (3) und diese konstruktiv beeinflussen zu können (4); schließlich, wenn Sie aus Ihren emotionalen Erfahrungen lernen können (5) - Positive und negative Beispiele aus dem Business:
· Sie haben gerade in einer Besprechung einen Ihrer Mitarbeiter in aggressiver Art und Weise bloßgestellt, weil Sie Ihre eigene gereizte Stimmung unterschätzt und nur als etwas müde wahrgenommen hatten und sich deshalb nicht unter Kontrolle hatten.
· Wenn Sie im Vertrieb erkennen, ob der Interessent gerade in einer (positiven) Abschluss-Stimmung ist oder nicht, werden Sie nicht im falschen Moment die Abschlussfrage stellen sondern diese ggf. verschieben.
· Sie fragen Ihren Chef im falschen Moment nach einer Gehaltserhöhung, weil Sie nicht erkannt haben, dass er gerade schlecht gelaunt/ gestimmt ist - und Sie dummerweise davor auch nicht dessen Sekretärin als Stimmungs-Antenne befragt haben.
· Regelmäßig glauben Sie bei Ihrer “unmotivierten” Mitarbeiterin zu erkennen, dass sie überrascht reagiert, wenn Sie unerwartet zu ihrem Arbeitsplatz kommen, in Wirklichkeit lösen Sie in ihr eine (vielleicht unbegründete) Angst aus, die ihre Mitarbeiterin lähmt.
· Sie schaffen es, Ihre Mitarbeiter mit Ihrer eigenen fröhlichen Grundstimmung anzustecken und ein positives Arbeitsklima zu schaffen, in dem es Ihnen leicht fällt, einzelne für gemeinsame Ziele zu motivieren.
Welche Möglichkeiten für die Förderung emotionaler Kompetenz gibt es?
Für das Selbststudium kann ich zwei Bücher empfehlen: Das bereits erwähnte Buch von Paul Ekman, der sich über mehrere Jahrzehnte Verdienste vor allem um die Erforschung des mimischen Ausdrucks von Emotionen erworben hat: Paul Ekman, “Gefühle lesen - Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren”, erschienen im Spektrum Akademischer Verlag, 1. Auflage 2007, ISBN 978-3-8274-1858-6; und wer sich wissenschaftlich mit dem Thema Emotionale Intelligenz befasst, kommt nicht an “Emotionale Intelligenz - Ein internationales Handbuch” vorbei, welches den aktuellen wissenschaftlichen Stand zum Thema und zu benachbarten Themen darstellt: erschienen im Hogrefe-Verlag 2006, herausgegeben von R. Schulze, P.A. Freund und R.D. Roberts, ISBN 3-8017-1795-X.
Bei entsprechender Eingabe von Suchbegriffen in einschlägige Suchmaschinen (z.B. eq, emotionale Intelligenz, training, kompetenz, outdoor, etc.) wird man mit Angeboten verbunden, die Möglichkeiten zum Training emotionaler Kompetenzen anbieten, die allermeisten in Seminarform. Bei unseren Angeboten sowohl zum Assessment als auch zum Training von EI/ EQ folgen wir der Empfehlung von Peter Salovey - dem Begründer des ersten Rahmenkonzeptes zu EI (1990, gemeinsam mit John Mayer) - welche er im Geleitwort zum erwähnten “Internationalen Handbuch” gegeben hat: “…dass zukünftige Ansätze die Erhebung emotionsbezogener Fähigkeiten in laufenden Situationen betonen müssen..” (ebenda, S. 2). Da nach unserer Ansicht das Training von Kompetenzen am besten draußen vor der Tür gelingen kann, sind unsere Trainings als Outdoor-Trainings konzipiert mit dem Schwerpunkt auf dynamischen Situationen.
Ob im Alltag am Arbeitsplatz oder zu Hause - Wer sich seiner emotionalen Stärken und Schwächen bewusst ist und gut darin ist, sich selbst und andere mit ihren Emotionen wahrzunehmen und auf Gefühle Einfluss zu nehmen, ist selbstsicher und kann sowohl offen und authentisch handeln als auch andere begeistern und motivieren.
Mit fröhlichen Grüßen, Ihr Carsten Gans.