Internationaler Kongress „Erleben und Lernen“ an der Uni Augsburg – Erlebnispädagogik und Co.
Dienstag, 30. September 2008 von Carsten GansAm letzten Freitag und Samstag fand in Augsburg das jährliche Treffen der Branche rund um Erlebnis-Pädagogik, Outdoor-Training und Co. statt. Da ich das Vergnügen hatte, selbst auch einen Workshop zu gestalten und zu moderieren, hatte ich die Gelegenheit, das ganze Spektakel aus mehreren Perspektiven zu betrachten.
Das Kongressthema lautete „Menschen stärken für globale Verantwortung“. Am ersten von zwei Kongresstagen hatte ich für meinen Workshop „Draußen vor der Tür – Outdoor-Training und Co.“ beschlossen, den in meinen Augen etwas zu akademisch und deutlich zu global formulierten Titel des Kongresses umzuwandeln in „Möglichkeiten für die Unterstützung von Menschen auf dem Weg zu einer in sich federnden Persönlichkeit“. Nach etwas wissenschaftlichem Input zu Sinneswahrnehmung und Emotionale Intelligenz und einigen Übungen zum Schärfen der Sinne, lag der Fokus auf dem Erarbeiten von Aspekten einer idealen Lernumgebung. Die Ergebnisse zweier Arbeitsgruppen ergaben folgendes Bild: Eine ideale Lernumgebung sollte folgendes beinhalten/ ermöglichen: Bewegung, raus gehen (aus einer Situation und in die Natur), Einfachheit (auch einfach machen), Perspektivenwechsel (etwas alleine und zusammen machen), sicherer Rahmen (Grundbedürfnisse sollten gedeckt sein), Vertrauen, Freude.
Nach dem Workshop durfte ich den Ausführungen eines pensionierten Offiziers lauschen, der unter dem für mich zunächst sehr spannenden Thema „Erlebnispädagogik im Wald“ vor allem deutlich Survival-lastig von den Möglichkeiten von „Waldcamps“ sprach. Vor allem als er mit Nachdruck über seinen Kampf gegen die Ämter sprach mit dem Hinweis, dass er das alles vor allem auch für die anwesenden Zuhörer tat, wurde deutlich, dass seine Zeit der Sozialisierung deutlich länger als die meine gedauert hatte. Ein „alter“ Pfadfinder bemängelte etwas später beim Betrachten von „Aktionskisten“ ,aus meiner Sicht zurecht, dass Militär-Artikel wie z.B. ein „Military Survival Kit“ weniger geeignet sind, um Kindern die Natur näher zu bringen. Die vorher getätigte Aussage des Referenten, man könne mit Hilfe der selbstredenden Orientierungs-Kiste innerhalb von einer halben Stunde das Orientieren mit Karte, Kompass und anderen Hilfsmitteln beherrschen (gerade beim Militär unterscheidet man deutlich zwischen Kennen, Können und Beherrschen), fand ich bereits bei der Aussprache sehr dreist, was sich nach Ansicht der Orientierungskiste nicht wirklich geändert hat. Da ging mit ihm die Selbstbegeisterung wohl etwas durch.
Anschließend war reichlich Zeit, um sich die dünn gesäten Stände der ausstellenden Wettbewerber und die Aktionen auf dem Vorplatz anzusehen. Einer der Aussteller meinte später, dass es sich nicht wirklich gelohnt hätte – sprich das Geld hätte sparen können. Einige etablierte aus der Branche haben das wohl schon früher erkannt und hatten deshalb keinen Stand, wie z.B. KAP Outdoor. Die gepolsterten 50er-Jahre-Möbel auf der Wiese vor den Gebäuden, die Kettcars für Erwachsene und die sehr innovativen Möglichkeiten, mit ferngesteuerten Autos seinen Spaß zu haben, festigten bereits zu meiner Halbzeit zwei Eindrücke, die für meine Sachen als hilfreiche Negativ-Beispiele dienen dürfen:
Erstens zuviel Survival, das mit dem Wesentlichen – der Entwicklung persönlicher Werte und Kompetenzen – wenig zu tun hat. Was bringt es meinen Teilnehmern, wenn sie wissen, wie man mit fast nichts Feuer macht oder wenn sie aus Birkenrinde ein Brot backen können? Zweitens viel zu viel Tools und Spielzeuge, die sicherlich Kindern viel Spaß bereiten, aber für Erwachsene ungeeignet sind, um ernsthaft an Dingen zu arbeiten. Ich denke letzteres ist wohl vor allem der Erlebnispädagogik an und für sich zu verdanken. Viele Anbieter kommen einfach nicht von der Pädagogik weg, die sich ja ursprünglich und aus dem Griechischen kommend mit der Erziehung/ Bildung von Knaben/ Kindern beschäftigt hat. – Erlebnis ja, aber bitte nicht kindgemäß, sondern Erwachsenengemäß.
Ach ja damit war noch nicht Schluss. Als Höhepunkt des Tages kam Frau Vera F. Birkenbihl auf einem zierlichen Cityroller in den großen Saal der Juristerei eingefahren, um über die Bedeutung der Erfindung der Brille und des Wasserrades, den Bloom-Test und andere hilfreiche Dinge für uns als Lehrer, Outdoor-Trainer, Männer oder Frauen zu sprechen. Was Frau Birkenbihl bereits seit mehreren Jahrzehnten auf unterhaltsame Weise zu sagen hat, kann man z.B. auf Ihrer Seite nachlesen und auch hören: http://www.birkenbihl-insider.de/ .
Mein Gesamt-Resumee: das nächste Mal werde ich gerne wieder hingehen, dann aber etwas länger und nicht als Referent, damit ich mir auch einen Eindruck von den Angeboten machen kann, die eher in meine Richtung gehen.
Was haben Sie aus dem Kongress gelernt oder mitgenommen?