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Die Leiden eines jungen P. – Reframing im Alltag

Montag, 11. Januar 2010 von Carsten Gans

Es war ca. 23 Uhr. Ich saß mit meiner Frau auf unserer Couch – besser: wir lagen bereits reichlich ermüdet vor der Sendung „Nuhr die Wahrheit“. Nach einem Blitz-Nickerchen und mit dem letzten Funken Wachheit, der noch vorhanden war, sagte ich ergebend, dass ich es nicht bis zum Schluss schaffen würde und nach oben möchte. In bewährter Schnelligkeit schloss sich die beste Ehefrau von allen (bEva) meiner Meinung an und drückte den roten Knopf auf der Umschalte (benannt nach dem Hauptnutzen des Gerätes). Kurz vor dem Erreichen des Gipfels und geschätzte 2 Minuten vor der REM-Phase dachte ich noch „das war’s jetzt endlich – nur noch schnell ins Bett schleichen.“ – Doch erstens … kommt es anders:

Als ich um die Ecke zur Tür gehe, um mich in das Einzugsgebiet meines Bettes zu begeben, steht dort schluchzend ein kleiner Mensch mit langen Haaren in einem rosa Schlafanzug: „Ich kann nicht einschlafen.“ – Ein Satz, den ich auch im Tiefschlaf noch deuten könnte. – „Na prima!“ dachte ich offensichtlich hörbar, da sich meine Frau so gleich des rosa Schalfanzuges annahm und mit einer Platzreservierung im elterlichen Ehebett beruhigte. Nur einen kleinen Schritt weiter, noch vor dem Eintritt in das scheinbar rettende Badezimmer vernahm ich von rechts aus einem kleinen mit einer STRAX-Bahn gepflasterten Zimmer ein leises Wimmern, das ich sogleich blitzschnell mit einem mittellangen nachdrücklichen „schschschschschschttt!“ zu beenden versuchte.

Da auch eine schnelle Wiederholung erfolglos blieb, machte ich das Licht an, um nach dem rechten zu sehen, das sich nach einer wohlwollenden Handbewegung entlang eines noch kleineren hellblauen Schlafanzuges als etwas Uriniertes herausstellte. Ich schickte den laufenden Meter zu bEva ins Bad und begann, das kleine Bett für die Fortsetzung des 3-Jährigen-Schlafes neu zu beziehen. Fast fertig vernahm ich die zweite Platzreservierung aus dem nur wenige Schritte entfernten Badezimmer. Nachdem ich bEva wortlos einen dunkelblauen Schlafanzug in Größe 98 zugeworfen hatte, erhielt ich die Bestätigung der Überbuchung: „Schlaf im Bett von A., ich wecke dich morgen früh!“ Da mein Widerstand gebrochen war, wickelte ich mich zügig in braune Baumwolle als mir wie ein Strohfeuer die Frage ins Gehirn schoss „Warum spricht dieses Jahr eigentlich keiner von Murphys Gesetz?“ – Da ich kein Holz mehr zum nachlegen hatte, hatte das Strohfeuer keine Chance und ich begab mich mit meinem Kissen bewaffnet am überbuchten Ehebett vorbei in das Prinzessinen-Zimmer des Hauses.

Endlich, unter einem mit Schmetterlingen besäumten Himmelbett-Schleier angekommen, kuschelte ich mich in die rosafarbene Feen-Decke meiner Tochter und dachte noch kurz: “Rosa ist eine schöne Farbe, vor allem schön warm!

Gute Nacht, mit müden Grüßen, Carsten Gans.